Leseproben aus:

Michael Rupprecht

Bergblues

Lyrik




INHALT
(des kompletten Buches)

Willkommen
Raketen für Kant
Der unheimliche Teddybär
Leben in Echtzeit
Kopfstimmen
Fluganweisung
Can Picafort
Gedanken-Surfen
Kühler Grund
Mondgesang
Ein Ostertag
Gott des Neons
Ohne Stützräder
Sandkasten
Garantieerklärung
Atemlose und Pappnasen
Schlusslicht
Sterne der Hoffnung
Klirren des Sommers
Atemlos
Bergblues I
Bergblues II
Treibgut
Strandgesang
Cherie
Abgesang
Falsche Frequenz
Schattensprung
Klage des Saxophonspielers
Nischenhocker
Friedhofsruhe



Willkommen

Willkommen, willkommen
legen Sie bitte ihre Faxen an der Garderobe ab
gleich neben der Küche hier links
betrachten Sie in Ruhe mich und mein Ich
fragen Sie nicht nach Namen
bedingt durch irgendwelchen Samen

Willkommen
noch in einigen Jahren
verlassen Sie sich aufs Sicherste auf mich
ich werde gewiss erscheinen
nur fragen dürfen sie nicht

Will
meinen nichts bleibt stehen
stets werden Sie Liebe tragen
Schilder und Wege übersehen

doch nun so nackt und bloß
wie in der Wiege
sind Sie nicht

so endlich sage ich
Sie leben weil sie lieben
lieben da Sie leben
leben da Sie sterben
sterben da Sie leben

nun legen Sie wieder ihre Faxen an
setzen Ihr Lächeln auf
keine Furcht, ich verlasse Sie nicht
es freut mich, Sie gesehen zu haben

Willkommen
im Leben

 



Raketen für Kant

Wir haben die grünen Männchen
in Windeln gepackt
den Vollmond mit Lametta behangen
auf den Autobahnen
Ufos gelandet

Schlaf' gut, meine Liebe

In Digitalziffern ist noch
keine Morgenröte ertrunken
Aristoteles spielt Klavier
auf dem Solarrechner
die Armee erschießt
Gummibärchen

Gib' mir noch einen Kuss
und ziehe deinen Slip aus
während die Götter
in den Wolken Burgen bauen
Nero melkt seine Kühe
Sokrates trinkt nicht das Gift
alles beginnt von vorne
doch keiner geht voran

Laserkanonen für Laotse
Eis für Kinder
Raketen für Kant

 



Der unheimliche Teddybär

Und dann gehen wir ins große, weiße Haus
und kaufen uns einen Teddybären.

Aber als wir ihn zuhause
liebevoll schmusen
krabbeln aus seinem Munde
lauter hässliche kleine Soldaten
die grässlich bewaffnet sind.

Ich kriege einen großen Schrecken
da sie mit ihren Gewehren und Geräten herum ballern
ohne zu fragen wo sie eigentlich sind.

In Minutenschnelle ist mein
Zimmer hingerichtet.
Selbst meine Stereoanlage
gibt keinen Laut mehr von sich

Der Kanarienvogel liegt auch schon
tot auf dem Boden seines Käfigs.

Da beginne ich zu weinen.
Lehne mich aus dem Fenster und rufe um Hilfe.
Aber keiner hört mich.

Inzwischen bevölkern Tausende von Soldaten mein Zimmer,
Hubschrauber kreisen unter der Decke,
Panzer rollen über den Fußboden
und Raketen zerschießen die Deckenlampen.

Erst gehe ich hinter dem umgeworfenen Tisch in Deckung,
dann hinter dem Sofa.

Endlich gelingt es mir
nur leicht verletzt aus dem Zimmer zu entkommen.
Erleichtert schließe ich Tür fest zu
und verschließe das Guckloch mit einem Kaugummi.

Als ich mich umdrehe, steht hinter mir der Mann aus dem Weißen Haus.
Hast du meinen Teddybären gesehen, fragt er böse.

Ja, sage ich, der will nicht mit mir spielen und macht alles kaputt.
Ja, sagt er, der will nicht spielen und macht alles kaputt.

Da drückt er auf einen Knopf des Fernsehgerätes und der Krieg hört auf.
So einfach ist das, lächelt er zufrieden.

Und mein Zimmer?, frage ich.
Das kommt davon, sagt er, wenn man
man mich ärgert.
Dein Zimmer ist jetzt mein Zimmer.

Da drückt er wieder auf den Knopf
und ich bin weg.

 



Leben in Echtzeit

Sergeant Pepper war noch ein kleiner Junge
Die Sympathien für den Teufel am Entstehen
Jim zog manchmal die Hosen aus
Und Jimi leckte die Gitarren

Vietnam und Woodstock
Bild, Strauß und Brandt
Die APO auf den Straßen
Das HB-Männchen in der Luft
Der Kalte Krieg in der Welt
Und der Nowwhere man weiß nicht wohin

Männer mit langen Haaren
Frauen mit nackten Brüsten
Langnese-Eiscreme vor dem Hauptfilm
LSD als Himmelskurier
Haschisch zum Lachen

Der kleine Junge aus Lessie ist übrigens tot
und Rin-Tin-Tin lebt auch nicht mehr
Mick Jagger stöhnt weiter
Paul McCartney sosst süß

Wir leben jetzt in Echtzeit
ersticken im Internet
hoffen auf Gewinne
schließen Sterbeversicherungen ab

 



Kopfstimmen

Sag’ mir, wie fühlt es sich, neu zu sein?
tausend Stimmen reden auf mich ein

Sag’ mir, wie fühlt es sich, wahr zu sein
Sag’ mir, wer liebt nicht
kommt nicht traurig davon zurück

tausend Stimmen reden auf mich ein

was ist wirklich wahr?
Der Schmetterling
der, der nie zurück kommt?

Das ist alles schwerer als ich dachte
tausend Stimmen reden auf mich ein

Ich war noch nie so schnell
sechzehn haben jetzt die Oberhand
keine dabei, die ich mag

Ein Stoppschild vor der letzten Ausfahrt
Eine Bremsspur vor der Haustür

Nein, Nein, sag’ nichts mehr
tausend Stimmen reden auf mich ein.



Fluganweisung

Zieh' dich aus
halte den Mantel über dich
breite die Arme aus
und schwebe zu mir

Wippe mit den Füßen
um an Höhe zu gewinnen
halte den linken Arm
leicht geneigt
Damit du Portugal
nicht verfehlst

Neige den Kopf erst
wenn du meine Schultern siehst
Sonst stürzt du ins Meer

Spreize die Beine ein wenig
damit du sicher landest
Vergiss nicht
ich bin ein Funkfeuer
das ständig die Position ändert
und dir das Eis
von den Brüsten leckt

 



Deutsche Erstausgabe
© 2012 Michael Rupprecht

Verlag: © sauerland press, Meschede
Titel: © Michael Rupprecht
Herstellung und Layout: © sauerland press

ISBN: 978-3-943283-00-6

 

Nur als e-book und exklusiv bei beam ebooks als pdf, mobi oder epub erhältlich (€ 2,99).

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